Gute Fahrradparkplätze sind Mangelware

15.09.2010 | Berlin
Fahrradabstellanlagen an Bahnhöfen lassen oft zu wünschen übrig. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Verbraucherzentralen im Rahmen der Verbraucherallianz "fürs klima". Bundesweit wurden 361 Bahnhöfe überprüft. Die Ergebnisse decken sich mit der Wahrnehmung der Verbraucher:

Sie gaben den Abstellanlagen an Bahnhöfen in punkto Sicherheit nur eine vier. Die Verbraucherallianz "fürs klima" ruft die Verkehrsunternehmen und Kommunen auf, die Missstände zu beseitigen und den Verbrauchern das sichere Abstellen ihrer Räder und damit eine klimaverträgliche Mobilität zu ermöglichen.

Tester der Verbraucherzentralen prüften in 13 Bundesländern mit Ausnahme von Baden-Württemberg, Hessen und Niedersachsen unter anderem, wie viele Fahrradparkplätze an den Bahnhöfen vorhanden waren und wie die Räder angeschlossen werden können. Ferner baten sie insgesamt 865 Verbraucher um ein Votum zu den Anlagen.

82 Prozent der von den Testern untersuchten Fahrradparkplätze verfügten über fest im Boden verankerte Anlagen. Aber 56 Prozent der Rad-Parkplätze waren nicht überdacht, 61 Prozent nicht beleuchtet und 27 Prozent schlecht einsehbar. Weniger als drei Prozent der Stellplätze boten abschließbare Fahrradboxen.

75 Prozent aller untersuchten Bahnhöfe wiesen immerhin sogenannte Anlehnbügel auf, bei denen Räder und Rahmen an einen im Boden verankerten Bügel angeschlossen werden können. Als ungeeignet stuften die Tester die immer noch weit verbreiteten Vorderradhalter ein. Bei den so genannten Felgenkiller können nur die Vorderäder angeschlossen werden. Sie bieten dem Rad wenig Halt, bei einem Fall verbiegen sich schnell die Felgen. Zudem kann der Rahmen leicht gestohlen werden.

Zu wenig Stellplätze und verschmutzte Anlagen

Fahrradparkhäuser gibt es nur in Bremen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Thüringen. Vor allem an Großstadt-Bahnhöfen sind viele Abstellanlagen überfüllt. Vielen Testern fielen auch verschmutzte Anlagen auf. Häufig fanden sie kaputte oder aufgegebene Fahrräder. Solche "Fahrradleichen" versperren Abstellplätze und vermitteln den Eindruck mangelnder Sicherheit.

Auch Kurioses registrierten die Tester: Am Bahnhof Schönebeck in Sachsen-Anhalt fanden sie zwar ein Schild mit dem Hinweis "Videoüberwachung" an der Abstellanlage, aber keine Kamera.

Die 865 Befragten waren von der Sicherheit der meisten Abstellanlagen nicht überzeugt. Im Schnitt vergaben sie dafür die Schulnote 4, bei Eignung und Anzahl kamen die Anlagen bei den Verbrauchern jeweils auf die Schulnote 3. Viele Befragte gaben an, nur alte oder entbehrliche Fahrräder am Bahnhof abzustellen und berichteten, dass ihr Rad schon einmal beschädigt oder gestohlen worden sei.

Es fehlt an guten Anlagen in der Fläche

"Fast alle Bundesländer verfügen über Vorzeigeanlagen. Es fehlt allerdings an gut ausgestatteten Radständern in der Fläche", sagt Stefan Eisentraut, Leiter Verbraucherallianz in der Verbraucherzentrale Thüringen.

Die Umfrage zeigt, dass 35 Prozent der Befragten mit dem Fahrrad zu ihrem nächsten Umsteigepunkt radeln würden, wenn es dort bessere Abstellanlagen gäbe. "Das wirkt sich nicht nur positiv auf Umwelt und Klima aus, sondern macht auch fit", argumentiert Eisentraut.

Zwar werden bei der Sanierung von Bahnhöfen meist die Abstellanlagen erneuert. "Doch vielerorts wird der Aus- oder Neubau von Fahrradparkplätzen vom Kompetenzwirrwarr zwischen Kommunen und Verkehrsträgern gebremst", kritisiert Eisentraut. "Wir fordern die Verantwortlichen auf, die Misstände zu beseitigen und mit besseren Radabstellanlagen den Verbrauchern eine klimaverträgliche Mobilität zu ermöglichen."

Quelle: Pressemeldung Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.

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