Wie schnell fährt ein E-Bike? 32 km/h? 45 km/h? Mehr? Alles zu Strafen, Versicherungsschutz & Co.

Nicht nur ältere Menschen kaufen E-Bikes, auch vermehrt junge Leute setzen auf die Bikes, die mit Motorunterstützung ein kinderleichtes Radeln versprechen. Dabei stellt sich die Frage: „Wie schnell fährt ein E-Bike?“

Wie schnell fährt ein E-Bike: Trotz Motor in die Pedale treten

Auch wenn viele der Meinung sind, dass schnelle E-Bikes keine Muskelkraft erfordern: Dies ist ein Irrglaube! Ein E-Bike kann zwar schnell fahren, braucht aber dennoch den Antrieb über die Pedale.

Der Motor ist nur die Unterstützung für die Muskelkraft und diesen Support gibt es nur, wenn der Mensch auch in die Pedale tritt. Erlaubt sind E-Bikes nur bis zu einer Geschwindigkeit von höchstens 25 km/h und maximal 250 Watt.

Zumindest hierzulande, in den USA sieht man dies ein wenig gelassener. Dort dürfen diese Bikes bis zu 32 km/h schnell sein (20 mph).

Eigentlich sollte ein E-Bike nicht zu Wettrennen genutzt werden. ( Foto: Shutterstock-Halfpoint )

Eigentlich sollte ein E-Bike nicht zu Wettrennen genutzt werden. ( Foto: Shutterstock-Halfpoint )

Geht es auch schneller?

Sogenannte Speed-Pedelecs können bis zu 45 km/h fahren und müssen eine Zulassung haben. Diese Bikes sind nur selten auf den Straßen zu finden. Ein normales E-Bike schaltet die Unterstützung ab einer Geschwindigkeit von 25 km/h ab.

Das heißt, dass der Radfahrer theoretisch noch schneller fahren kann, dann allerdings nicht mehr mit Unterstützung durch den Elektromotor. Das Rad kann so schnell werden, wie es der Mensch durch das Treten in die Pedale vermag.

Das wird allerdings anstrengend und so verwundert es nicht, dass die E-Bike-Freunde einfallsreich nach neuen Möglichkeiten gesucht haben, um das Rad ein wenig schneller werden zu lassen. Eine dieser Möglichkeiten besteht im Tuning.

Das geht ganz einfach, ist allerdings gefährlich und vor allem nicht erlaubt. Hohe Strafen wie Freiheitsstrafen von bis zu einem Jahr drohen!

Die meisten Kaufinteressenten lassen sich umfassend im Fachgeschäft beraten (Foto: Shutterstock- Anze Furlan )

Die meisten Kaufinteressenten lassen sich umfassend im Fachgeschäft beraten (Foto: Shutterstock- Anze Furlan )

Fahren ohne Betriebserlaubnis: Strafen

Wenn für das getunte E‑Bike die Betriebserlaubnis (ABE) fehlt, dann ist das eine Ordnungswidrigkeit – dies bestimmt der § 48 der Fahrzeug-Zulassungsverordnung.

Das Fahren ohne Betriebserlaubnis wird mit einem Bußgeld in Höhe von 70 Euro und einem Punkt im Fahreignungsregister bestraf.

Schnell, schneller, getuntes E-Bike: Warum schnell nicht gut ist

Die meisten Kaufinteressenten lassen sich umfassend im Fachgeschäft beraten oder suchen nach Informationen bezüglich der Leistung des E-Bikes im Netz.

Dabei stellt sich heraus: Der Akku ist beim Kauf wichtig, denn von ihm hängen Reichweite und Geschwindigkeit ab. Doch genau diese reicht vielen E-Bikern nicht, daher nutzen Sie das Tuning, um eine höhere Geschwindigkeit zu erreichen.

E-Bikes kaufen immer mehr jüngere Menschen, sehr zur Freude der Hersteller ( Foto: Shutterstock-moreimages)

E-Bikes kaufen immer mehr jüngere Menschen, sehr zur Freude der Hersteller ( Foto: Shutterstock-moreimages)

Kinderleichtes Tuning am E-Bike: Jüngere und schneller Fahrer unterwegs

Die E-Bike-Industrie freut sich über die Verjüngung der Käufer. Doch genau diese Kundengruppe findet häufig, dass ein E-Bike doch besonders schnell unterwegs sein müsste. Und dann soll bei 25 km/h schon Schluss sein?

Wer auf ebener Strecke und nur mit Muskelkraft bereits schneller als dieses Tempo fährt, fühlt sich mit dem E-Bike, dessen Unterstützung bei 25 km/h endet, alles andere als schnell. Bis vor einiger Zeit existierte das Problem gar nicht, denn einst waren E-Bikes gemütliche Tiefeinsteiger, mit denen sich entspannt die Landschaft erkunden ließ.

Heute sind es aber eher Sporträder, die die perfekte Alternative zum Auto darstellen und mit denen man möglichst schnell und kraftsparend von A nach B kommen möchte. Wurden früher Mofas getunt, geschieht das heute mit dem E-Bike. Wobei das Tuning schnell und einfach über die Bühne gehen kann.

Entsprechende Bausätze sind im Internet erhältlich und stark gefragt, auch wenn sie eigentlich nicht verbaut werden dürfen.

Zum einen ist es möglich, mithilfe der Bauteile und verschiedener Stecker in die Elektronik zur Steuerung des E-Bikes einzugreifen. Der Motor wird anders angesprochen und bringt in der Folge mehr Leistung sowie ein höheres Drehmoment. Die Leistung lässt sich vervielfachen!

Einfacher ist die Methode, wenn das E-Bike nur ein wenig schneller fahren soll: Investiert wird in ein Bauteil, welches eine Manipulation der Geschwindigkeitsmessung vornimmt. Diese Messung findet am Hinterrad statt und kann beeinflusst werden, indem das kleine Hilfsgerät nur die Hälfte der gemessenen Geschwindigkeit an den Controller übermittelt.

Das E-Bike fährt schnell und eigentlich 40 km/h, der Controller bekommt jedoch nur 20 km/h übermittelt. Diese Sets sind vergleichsweise günstig und kosten nur rund 100 Euro. Besonders praktisch: Das Gerät lässt sich mit einer Hand wieder entfernen, sollte der Radfahrer drohen, in eine Kontrolle zu kommen.

Video: Mit frisierten E-Bikes auf der Überholspur | Zur Sache Baden-Württemberg!

Besonders schnell unterwegs: Erlaubt oder nicht?

Die kleinen Veränderungen an der Leistung des E-Bikes sind nicht komplett verboten, denn auf privatem Grund und Boden darf auch mit einem schnellen E-Bike gefahren werden. Sobald das Bike aber in den öffentlichen Straßenverkehr gelangt, sind die Methoden zur Manipulation verboten.

Der Radfahrer macht sich sogar strafbar, denn er ist ohne Versicherungsschutz unterwegs. So schnell wird er allerdings nicht erwischt, denn bislang berichtet selbst die Polizei nur über wenige ertappte Missetäter.

Gefahren durch getunte E-Bikes

Natürlich möchten viele Radfahrer so schnell wie möglich sein, doch gleichzeitig darf die Sicherheit nicht vergessen werden.

Wer also sein E-Bike tunen will, sollte sich der Gefahren, die dadurch entstehen, durchaus bewusst sein:

  • Erhöhte Unfallgefahr

    Rahmen und Bremsen der E-Bikes sind nicht dafür ausgelegt, solch hohe Geschwindigkeiten zu erreichen. Ein Rahmenbruch ist möglich, auch kann nicht mehr so schnell wie nötig gebremst werden. Der Verschleiß am E-Bike ist generell höher, der Stromverbrauch ebenfalls.

    Auch die Unfallgefahr erhöht sich, zumal auch der E-Biker nicht allein auf der Straße unterwegs ist. Andere Verkehrsteilnehmer schätzen die Geschwindigkeit nicht selten falsch ein, denn wer rechnet schon mit einem Radfahrer, der mehr als 30 km/h erreicht?

  • Kein Versicherungsschutz

    Ein normales E-Bike ist in der privaten Haftpflichtversicherung inbegriffen und hier mit versichert. Wird das Bike aber getunt, verliert es den Versicherungsschutz, denn eine getuntes E-Bike gilt als Kraftfahrzeug. Dieses wiederum wird aber von der privaten Haftpflicht ausdrücklich ausgeschlossen.

    Passiert nun mit dem getunten Rad ein Unfall, kommt der Unfallverursacher für den Schaden in kompletter Höhe auf und das notfalls ein Leben lang und mit dem gesamten Vermögen. Gerade Personenschäden können dabei leicht siebenstellige Beträge erreichen, zumal hier auch noch Vermögensschäden hinzukommen können.
    Die finanzielle Existenz ist somit für alle Zeiten zerstört. Umgekehrt kann das E-Bike aber nicht einfach als Kraftfahrzeug versichert werden, denn eine Kraftfahrzeug-Versicherung ist kein Ansprechpartner für das E-Bike. Versicherbar ist lediglich ein S-Pedelec, das ab Werk schon schneller fährt.

  • Strafen

    Mit einem getunten E-Bike unterwegs zu sein, ist keineswegs nur eine Ordnungswidrigkeit. Das Gesetz vergleicht das Fahren mit dem getunten E-Bike mit dem Fahren eines nicht versicherten Kraftfahrzeugs, welches keinen TÜV und kein Kennzeichen hat.

    Hierbei sei noch einmal auf den fehlenden Versicherungsschutz hingewiesen, der das größte Problem bei einem Unfall darstellt. Selbst bei einem nicht verschuldeten Unfall bekommt der Fahrer des getunten E-Bikes zumindest noch eine Teilschuld.

Touren mit dem E-Bike können Enkeltochter und Oma prima zusammen unternehmen. ( Foto: Shutterstock-Umomos)

Touren mit dem E-Bike können Enkeltochter und Oma prima zusammen unternehmen. ( Foto: Shutterstock-Umomos)

Nachweisbares Tuning?

Die meisten Chips für das Tuning sind nicht aktiv und müssen erst scharf geschaltet werden. Sie lassen sich zudem in Windeseile abnehmen, sodass bei einer Kontrolle nichts auffällt. Allerdings haben die findigen E-Bike-Tuner nicht damit gerechnet, dass viele Hersteller ein Tuning nachweisen können – auch ohne vorhandenen Chip.

Erkennbar wird dies zum Beispiel am deutlich schwächeren Akku, denn dieser wird durch die permanente Überlastung ständig zu stark beansprucht und altert schneller. Die häufigeren Ladezyklen des Akkus lassen sich ins Verhältnis zur Gesamtfahrleistung setzen, daraus wiederum kann der Experte Rückschlüsse auf ein mögliches Tuning ziehen.

Auch die Durchschnittsgeschwindigkeit lässt sich nachvollziehen, wobei diese bei einem getunten Rad ebenfalls deutlich höher ist. Wer nur ab und zu bergab fährt und dabei höhere Geschwindigkeiten erreicht, wird trotzdem nicht auf eine derart erhöhte Durchschnittsgeschwindigkeit kommen wie der E-Biker mit seinem getunten Rad.

Abschließend sei allerdings gesagt, dass nicht wirklich klar ist, welche Daten tatsächlich gespeichert werden, da die Hersteller diesbezüglich unterschiedliche Angaben machen.

Angesichts des fehlenden Versicherungsschutzes sollte jeder E-Biker aber darauf verzichten, besonders schnell zu sein, solange dieses Tempo nicht mit reiner Muskelkraft nach dem regulären Abschalten des Elektromotors zu erreichen ist.

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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